Foto Dieter Hartwig

better days

Premiere 4. december 2003 20:30

5.-7. / 11.-14. / 18.-21. december 2003

HALLE, Eberswalderstrasse 10-11, 10437 Berlin

 

Konzept / Choreographie Toula Limnaios

Musik Ralf R. Ollertz

Video cyan

Tanz / Kreation Lea Helmstädter, Ulrich Huhn, Lena Meierkord, Aneta Szydlak, Krzysztof Zawadzki

Stimme Elwira Niewiera

PR Silke Wiethe

 

Produktion CIE. TOULA LIMNAIOS mit freundlicher Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Forschung, Wissenschaft und Kultur der Stadt Berlin und durch den FONDS DARSTELLENDE KÜNSTE E.V. AUS MITTELN DES BUNDES.

Ein Mann, allein in einem Zimmer, mit dem elementarsten zum Leben, ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch - die anderen Tänzer Begleiter seiner Wege, Partner seiner inneren Kämpfe, Protagonisten möglicher Lösungsentwürfe, Schatten seiner Alpträume, Erscheinungen seiner Tagträume. Das Publikum, gleichsam sehr nah, fast selbst die Person, die in diesem Zimmer sitzt. "better days" ist als Kammerstück konzipiert: keine gro§e Bühne, sondern ein intimer Raum, in dem sich fünf Tänzer/-innen auf den schmalen Grenzweg an der Scheidewand zwischen Distanz -nehmen zu sich selbst und innerer Zwiesprache bewegen.

Eine Winternacht, ohne Mond, ohne Sterne, aber hell, er sieht seinen Körper, die ganze vordere Seite, einen Teil der vorderen Seite, was erhellt sie, diese unmögliche Nacht, diesen unmöglichen Körper, es ist in ihm meine Erinnerung, an die wirkliche Nacht, es ist mein Traum, von der Nacht ohne Morgen, und morgen, wie wird er es morgen machen, um morgen zu ertragen, die Dämmerung, den Tag, er wird es wie gestern machen, wie er es gestern machte, um gestern zu ertragen. Es ist wahr, ich bin es nicht, noch nicht, ...es ist ein Veteran, der Tage und der Nächte, ...,er träumt von mir ... (Samuel Beckett: Texte um Nichts, 1955.)

 

"better days" ist nach "Nichts. Ich werde da sein, indem ich nicht da bin." (2001, Förderpreis Meeting Neuer Tanz NRW) und "outre vie" (2002) der dritte Teil einer von Samuel Becketts "Texte um Nichts" inspirierten Trilogie. Sie erzählen die Geschichte eines Menschen, der, isoliert von der Welt und manchmal sogar von sich selbst, seine Situation reflektiert. Schien es im ersten Teil noch, als ob die Figuren, blockiert in einem Zwischenraum, aufgeben wollten, wenden sie sich im zweiten Teil Lebenswegen anderer zu, suchen nach Gegenentwürfen, um sich aus ihrem existentiellen Loch zu befreien und entwickeln schlie§lich in "better days" Perspektiven für eine eigene Geschichte.

 

Presse Berichte

Tanz mit dem Ich

Die Compagnie Toula Limnaios präsentiert modernen Tanz als Kammerstück. Trotzig schlagen die Absätze über den Boden, immer und immer wieder. Eine Tänzerin durchmisst den Raum, strauchelt, um von Gummischnüren wieder an den Ausgangspunkt zurückgezogen zu werden. So kämpft dieser weibliche Sisyphos auf Stöckelschuhen gegen die Pein der Wiederholung. In "better days", dem letzten Teil einer Beckett-Trilogie, treten die Akteure in einen eigenwilligen Tanz mit dem Ich. Im Mittelpunkt ein Mann, die Bühne ein intimer Raum mit Tisch und Stuhl. Die anderen Tänzer sind in diesem Tableau im Stil eines Kammerstückes seine Begleiter, spiegeln Gedanken, sind gleichzeitig Schimären aus einer Traumwelt und konkrete Wesen eines Jetzt und Hiers. Tänzerisch nachgezeichnet werden also die Bekenntnisse einer multiplen Persönlichkeit, in der literarischen Vorlage gestaltet als manisch-monologische Reflektionen, immer auf dem Grat zwischen Selbstaufgabe und Aufbegehren.

Die Darsteller entwickeln aus ihrem tänzerischen Vokabular heraus überraschende Bilder der Innerlichkeit. Mal wird die alltägliche Geste zur Tour de force eines Einzelnen, mal treibt ein stumm-bewegter Dialog das Stück.Die Wahlberlinerin Limnaios hat sich mit ihren Arbeiten, den Ruf der Poetin unter den Choreografen erworben.

Am Ende, wenn sich die eindringliche Pose der Sinnsuche in einem heiteren Blick in die Zukunft auflöst. Eine zarte Feder schweben zu lassen, darauf richtet sich nun die Kraft der Seelen-Eremiten. Ein Sommerkleid weht im Ventilatorwind einem imaginären Horizont und einer neuen Zeit entgegen. Besseren Tagen. Und die wünschen sich doch alle.

 

Annett Jaensch www.kulturkueche.de