|
|
ISSON |
| Konzeption/ Choreographie Toula Limnaios Tanz/Kreation Lena Meierkord, Toula Limnaios Komposition/ Musik Ralf R. Ollertz Lichtdesign Klaus Dust Assistenz Ulrich Huhn Presse/Öffentlichkeitsarbeit Silke Wiethe
Das Tanzstück "ISSON" ist den Kontrasten gewidmet - der Wirklichkeit und der Illusion, dem Licht und dem Schatten, der Unruhe und der Ruhe. Der Traum ist im Innereren des Werkes von Jean-Paul Richter (Schriftsteller und Philosoph des 19. Jahrhunderts) verborgen. Lange Romane, exzentrische Erzählungen eines Mannes, der uns den Schlüssel zu seiner Unruhe gelassen hat. Sein ganzes Leben lang war er von der Idee des Doppelgängers verfolgt. Zwei Wirklichkeiten, die man nicht trennen kann. Der Traum ist nicht die andere Wirklichkeit, er gleitet über beide, erhellt oder verdunkelt sie. Schatten: eine düstere Zone, die von undurchsichtigen Körpern geschaffen wurde und die die Strahlen einer Lichtquelle bricht. Das Undurchsichtige stellt sich gegen das vorüberziehende Licht. Jeder traurige und dunkle Gedanke ist ein flüchtiger und vorübergehender Gedanke, ein vergänglicher Gedanke der Angst. Jede Unruhe der Seele, jede schwarze Melancholie ist "Illusion". Produktion: cie.toula limnaios in Koproduktion mit dem Theater am Halleschen Ufer.
|
|||
| Presse Berichte |
|||
| Als Schubert seine Doppelgänger fand Bewegungsgleichklang gilt im Tanz als Bravour. Mit der neuen Choreographie ISSON beweisen Toula Limnaios und Lena Meierkord, dass Synchronität weit mehr bedeuten kann als nur Trainingsfleiß: nämlich den absoluten Einklang zweier Sphären, zweier Körper und Wesen (griech. Isson). Zu Beginn stehen die Tänzerinnen im matten Dämmer der leeren Bühne an der Rückwand, das Gesicht nach hinten gewendet: zwei identische Figuren auf weißen Tanzflächen Die folgende Stunde wird sie nach vorn führen, ganz dicht vor die erste Zuschauerreihe im Theater am Halleschen Ufer. Sie werden sich bis auf wenige Passagen vollkommen gleichförmig bewegen und dabei ihren Tanzraum nicht verlassen. In der dunkel abgetönten Dynamik, den fein nuancierten Stimmungswerten der Choreographie verschmälert sich der Abstand zwischen beiden. Im Synchronen wird nicht Virtuosität demonstriert, sonder das Verschmelzen zweier Wahrnehmungszustände dargetan.
Dieses auskomponierte Decrescendo ist eines
der berührendsten, einleuchtendsten Schlussbilder im Tanztheater,
das seit langem zu sehen war.
|
|||
|
Die Dinge sind selten das, was sie zu sein scheinen, und ein Rücken ist nicht nur ein Rücken. Er kann eine Mauer sein, über die glänzende Haare fließen wie ein Wasserfall. Er kann eine Bühne sein, auf der zwei Hände einen Tanz aufführen. Oder ein Panzer, hinter dem sich ein verletzliches Gesicht verbirgt. Zu Beginn des Duetts „isson“ sehen wir die Choreografin Toula Limnaios und ihre Partnerin Lena Meierkord von hinten. Die Frauen in Schwarz, jede im Viereck aus Licht, finden bewegende Zeichen für die labile Schwebe, in der das Wesen Mensch – „isson“ bedeutet griechisch „Wesen“ - lebenslang hängt.
Limnaios, die Leichte, verströmt sich, während Meierkord bei sich bleibt, verschlossener. Der Rhythmus der Komposition im leeren Raum folgt den zitternden Ausschlägen einer Seele, die Orientierung sucht und meist Irritation findet. Mal kommt sie konzentriert zu sich selbst, um im nächsten Moment von der eigenen Hand fortgerissen zu werden. Am Ende liegt die innere Ruhe im bewussten
Auf und Ab zwischen Hoffnung und Depression, Licht und Schatten. Ein kleiner
hervorragender Tanzabend.“
|
|||
Puristischer war (nach „vertige“
) die zweite Choreographie („ISSON“) dieses Abends, die ebenfalls
ein Traumstück war: In „Isson“ hat die Berlinerin versucht,
mit zwei gegensätzlichen Figuren, die sich – wie ein Mensch
und sein Schatten – ausschließlich synchron bewegen, ein Spiel
mit Illusionen zu entwickeln. Viel Rhythmus hatte diese Choreographie
und sie experimentiert mit Extremen, Licht- und Schattenwelten, Gegensätzen
von den kleinen Licht-Quadraten, in den die Tänzerinnen gefangen
waren und der großen schwarzen, dunklen Bühne.
|
|||
Mit der Wahrnehmung, dem Kontrast
zwischen Wirklichkeit und Illusion beschäftigt sich auch das zweite
Stück des Abends. In „ISSON“ , ..., geht es um zwei Frauen,
von denen eine das Spiegelbild der anderen zu sein scheint. Völlig
synchron sind sie zunächst, bis die eine versucht, aus dem vorgegebenen
Zirkel auszubrechen, das eigene Ich zu erkunden. Wer das Original und
wer die Kopie ist, vermag der Zuschauer nicht zu sagen, zumal die Projektionen
der beiden Frauen auf dem Vorhang im Bühnenhintergrund vertauscht
werden. Individualität in der Gesellschaft, in der der Mensch vor
allem eines muss: funktionieren. Auch diese beiden Choreographien ließen
dem Zuschauer sehr viel Raum für eigene Assoziationen.
|