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Foto Susanne Hoss

ISSON

Konzeption/ Choreographie Toula Limnaios

Tanz/Kreation Lena Meierkord, Toula Limnaios

Komposition/ Musik Ralf R. Ollertz

Lichtdesign Klaus Dust

Assistenz Ulrich Huhn

Presse/Öffentlichkeitsarbeit Silke Wiethe

 

Das Tanzstück "ISSON" ist den Kontrasten gewidmet - der Wirklichkeit und der Illusion, dem Licht und dem Schatten, der Unruhe und der Ruhe. Der Traum ist im Innereren des Werkes von Jean-Paul Richter (Schriftsteller und Philosoph des 19. Jahrhunderts) verborgen. Lange Romane, exzentrische Erzählungen eines Mannes, der uns den Schlüssel zu seiner Unruhe gelassen hat.

Sein ganzes Leben lang war er von der Idee des Doppelgängers verfolgt. Zwei Wirklichkeiten, die man nicht trennen kann. Der Traum ist nicht die andere Wirklichkeit, er gleitet über beide, erhellt oder verdunkelt sie.

Schatten: eine düstere Zone, die von undurchsichtigen Körpern geschaffen wurde und die die Strahlen einer Lichtquelle bricht. Das Undurchsichtige stellt sich gegen das vorüberziehende Licht. Jeder traurige und dunkle Gedanke ist ein flüchtiger und vorübergehender Gedanke, ein vergänglicher Gedanke der Angst. Jede Unruhe der Seele, jede schwarze Melancholie ist "Illusion".

Produktion: cie.toula limnaios in Koproduktion mit dem Theater am Halleschen Ufer.

 

Presse Berichte

Als Schubert seine Doppelgänger fand

Bewegungsgleichklang gilt im Tanz als Bravour.

Mit der neuen Choreographie ISSON beweisen Toula Limnaios und Lena Meierkord, dass Synchronität weit mehr bedeuten kann als nur Trainingsfleiß: nämlich den absoluten Einklang zweier Sphären, zweier Körper und Wesen (griech. Isson). Zu Beginn stehen die Tänzerinnen im matten Dämmer der leeren Bühne an der Rückwand, das Gesicht nach hinten gewendet: zwei identische Figuren auf weißen Tanzflächen Die folgende Stunde wird sie nach vorn führen, ganz dicht vor die erste Zuschauerreihe im Theater am Halleschen Ufer.

Sie werden sich bis auf wenige Passagen vollkommen gleichförmig bewegen und dabei ihren Tanzraum nicht verlassen. In der dunkel abgetönten Dynamik, den fein nuancierten Stimmungswerten der Choreographie verschmälert sich der Abstand zwischen beiden. Im Synchronen wird nicht Virtuosität demonstriert, sonder das Verschmelzen zweier Wahrnehmungszustände dargetan.


Aus der Klanglandschaft von Ralf. R. Ollertz schält sich zuletzt Franz Schuberts todesstarrer „Doppelgänger“ heraus. Das Lied beschreibt mit tonloser Dichte das Haus der Geliebten, in dem sie schon längst nicht mehr wohnt, das als Hülle aber noch vom vergangenen Glück kündet. Derweil stehen Limnaios und Meierkord regungslos, ein wenig verzerrt, wie windschief und altersschwach da. Wer bewohnt jetzt noch die Bewegung? Welches Wesen haust im Tanz.

Dieses auskomponierte Decrescendo ist eines der berührendsten, einleuchtendsten Schlussbilder im Tanztheater, das seit langem zu sehen war.

Franz Anton Cramer, Tagesspiegel, 14.03.2003.

 

Die Dinge sind selten das, was sie zu sein scheinen, und ein Rücken ist nicht nur ein Rücken. Er kann eine Mauer sein, über die glänzende Haare fließen wie ein Wasserfall. Er kann eine Bühne sein, auf der zwei Hände einen Tanz aufführen. Oder ein Panzer, hinter dem sich ein verletzliches Gesicht verbirgt.

Zu Beginn des Duetts „isson“ sehen wir die Choreografin Toula Limnaios und ihre Partnerin Lena Meierkord von hinten. Die Frauen in Schwarz, jede im Viereck aus Licht, finden bewegende Zeichen für die labile Schwebe, in der das Wesen Mensch – „isson“ bedeutet griechisch „Wesen“ - lebenslang hängt.


Toula Limnaios geht zurück auf die pure, schmucklose Bewegung und schafft eine formbewusste, ihre bisher reifste Choreographie. Die beinahe erschreckende Synchronität der Tänzerinnen irritiert den Zuschauer, der erst bei näherem Hinsehen zwei grundverschiedene Welten vorfindet:

Limnaios, die Leichte, verströmt sich, während Meierkord bei sich bleibt, verschlossener. Der Rhythmus der Komposition im leeren Raum folgt den zitternden Ausschlägen einer Seele, die Orientierung sucht und meist Irritation findet. Mal kommt sie konzentriert zu sich selbst, um im nächsten Moment von der eigenen Hand fortgerissen zu werden.

Am Ende liegt die innere Ruhe im bewussten Auf und Ab zwischen Hoffnung und Depression, Licht und Schatten. Ein kleiner hervorragender Tanzabend.“

Constanze Klementz über „ISSON“ in: Berliner Morgenpost, 16.03.2003.

 

Puristischer war (nach „vertige“ ) die zweite Choreographie („ISSON“) dieses Abends, die ebenfalls ein Traumstück war: In „Isson“ hat die Berlinerin versucht, mit zwei gegensätzlichen Figuren, die sich – wie ein Mensch und sein Schatten – ausschließlich synchron bewegen, ein Spiel mit Illusionen zu entwickeln. Viel Rhythmus hatte diese Choreographie und sie experimentiert mit Extremen, Licht- und Schattenwelten, Gegensätzen von den kleinen Licht-Quadraten, in den die Tänzerinnen gefangen waren und der großen schwarzen, dunklen Bühne.
NRZ Dortmund, JG, Juli 2003.

 

Mit der Wahrnehmung, dem Kontrast zwischen Wirklichkeit und Illusion beschäftigt sich auch das zweite Stück des Abends. In „ISSON“ , ..., geht es um zwei Frauen, von denen eine das Spiegelbild der anderen zu sein scheint. Völlig synchron sind sie zunächst, bis die eine versucht, aus dem vorgegebenen Zirkel auszubrechen, das eigene Ich zu erkunden. Wer das Original und wer die Kopie ist, vermag der Zuschauer nicht zu sagen, zumal die Projektionen der beiden Frauen auf dem Vorhang im Bühnenhintergrund vertauscht werden. Individualität in der Gesellschaft, in der der Mensch vor allem eines muss: funktionieren. Auch diese beiden Choreographien ließen dem Zuschauer sehr viel Raum für eigene Assoziationen.
WAZ – Westdeutsche Allgemeine Zeitung, MLG, Juli 2003.

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