| Konzeption/Choreographie
Toula Limnaios
Komposition/ Musik Ralf
R. Ollertz
Video cyan
Lichtdesign Klaus Dust
Tanz/Kreation Carlos
Osatinsky, Ute Pliestermann, Katja Scholz, Nefeli Skarmea, Hironori Sugata
Presse/künstlerische
Mitarbeit Silke Wiethe
Assistenz/Neueinstudierung
Evelin Stadler
Nichts... wurde
2004 von ARTE/ZDF unter dem Titel "atemzug" fürs Fernsehen
verfilmt.
Du kannst
da nicht bleiben,
Du kannst aber nicht
weiter, und Du kannst auch nicht zurück.
Wo bist Du?
- eine Inszenierung, inspiriert
von Samuel Becketts "Texte um Nichts" (1955), Tagebuch und Zwiegespräch
einer multiplen Persönlichkeit. Sechs Tänzer/ innen folgen ihren
unterschiedlichen Facetten, durchleuchten auf der Suche nach den Spuren
des eigenen Selbst, Zwischenräume von Körper und Seele, Individuum
und Gesellschaft, Traum und Gedächtnis, Raum und Zeit. Fundstücke
vergangener, möglicher und zukünftiger Schicksale legen sich
über ihre Wege. Differierend im Hier und Jetzt, Anderswo und Nirgendwo
erkunden die Figuren innere Landschaften - Spiegel der Seele - wie ein
Tagtraum deutlich und verworren zugleich.
"... wir gingen, Hand in Hand, stumm,
in unsere Welten versunken, jeder in seine Welten, mit ineinander vergessenen
Händen."
(S. Beckett)
Produktion CIE. TOULA LIMNAIOS
Auftragsarbeit des KULTUR-SEKRETARIATS NORDRHEIN-WESTFALEN in Ko-Produktion
mit dem STADTTHEATER OBERHAUSEN UND DEM THEATER AM HALLESCHEN UFER BERLIN
realisiert aus DEN MITTELN DES HAUPTSTADTKULTURFONDS und gefördert
durch den FONDS DARSTELLENDE KÜNSTE E.V. AUS MITTELN DES BUNDES präsentiert
von URBUZ.COM
Presseberichte
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| Thematischer
Ausgangspunkt sind
Samuel Becketts "Texte um Nichts" ... Ð eine Sammlung von Prosatexten
voll existenzialistischen Weltekels, durchdrungen von psychotischen Identitätskrisen.
Beckett umkreist die Fremdheit im Körper ... und die Unmöglichkeit,
mit sich selbst eins zu sein. Doch ist "Nichts" weder literarisch
noch schwerblütig geraten, sondern ein Stück von nahezu klassizistischer
Ausgewogenheit und eminenter tänzerischer Qualität. Nach mehreren
Arbeiten für kleine Besetzung ist es Limnaios jetzt auch für
ein fünfköpfiges Ensemble souverän gelungen, den Wechsel
zu orchestrieren, tänzerische Einzelleistungen herauszustellen, dann
wieder die Dynamik der Gruppe auszukosten und figurative Szenen in abstrakte
Strenge oder anrührend innige Passagen zerflie§en zu lassen.
Die musikalische Valeurs
der Komposition von Ralf R. Ollertz spannen sich ... vom Eisigen bis zum
Pompösen, vom archaisierenden Männerchor bis zum knisternden
Elektrocluster (und) .. bleiben stets um Nuancen bemüht, nicht um
Triumph. Der obliegt durchweg den Tänzern in ihren teils atemberaubenden
Soli. Lara Martelli als mondäne Frau in roter Lederjacke, mit verklebten
Augen und ... Mund, abgekoppelt vom Leben herumtappend, gibt ein Bild
der stummen Verzweiflung. Josep Caballero Garcia bleibt nach einem vertrackten
Duett allein zurück und sucht sich sinnierend, verhalten, verschattet
und doch klar in der Linie einen Ort in der Welt. Er wird ihn nicht finden.
Auch nicht Monica Munoz Marin, obgleich sie sich mit ihrer Einzelleistung
vor dem beschleunigten Bild eines wuselnden Strandbades (in den Videos
von cyan) am glanzvollsten behauptet. Als seelenvoller Formalistin gelingt
es Limnaios, den bewegten Ausdruck immer wieder beharrlich in die Mitte
zu rücken.
Ballett international/
tanz aktuell, Fran Anton Cramer, Oktober 2001.
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| Schweigend, vornübergebeugt,
die Arme auf dem Rücken verschränkt, wie ein Zug unerlöster
Wesen trotten fünf Tänzer auf der verlorenen Diagonalen in die
verschattete Tiefe des Raums. Ein unheimlicher Anblick aber kein trostloser.
Denn man hört lautes, vernehmliches Atmen. Und plötzlich erweisen
sich die Untoten als geschäftige Menschen. Rasch und rascher eilen
sie im Kreis herum. Das Licht ist glei§end geworden, kaum jemand wagt
es, stehenzubleiben. Bilder aus Großkombinaten erscheinen auf der
stoffverhängten Bühnenrückwand, glückliche Werktätige,
zukunftsfrohe Fortschrittsstimmung. Am Ende der Sequenz wollen sich alle
(Tänzer) vor Lachen schier ausschütten.
Sie hat sich inspirieren lassen von Samuel
Becketts Prosastücken "Texte um Nichts", manisch-monologische
Bekenntnisse einer zerrütteten Persönlichkeit ... Wie aber Becketts
Prosa zugleich spröde und verzweifelt gefügt ist, so baut Limnaios
Bilder und Szenen zu einem Tableau, dessen Ernsthaftigkeit bisweilen schmerzt,
ohne je larmoyant oder oberflächlich zu werden. ... Limnaios Choreographie
(gehört) ... den tänzerischen Grundwerten. Klar konturierte
Bewegungsfiguren, sorgfältig rhythmisierte Synchronpassagen und flie§ende
Übergänge zu nuancierten Soli gliedern diese Rhapsodie nach
Beckett in ein fesselndes Portrait körperlicher Intensität,
die dem verzweifelten Strom der Worte entronnen scheint, ...
Doch macht das Ensemble den beschrieben Zerfall
der Persönlichkeit räumlich wie darstellerisch gerade lesbar,
nicht blo§ präsent. Spiegelgleiche Bewegungen vor und hinter einem
kaum wahrnehmbaren Gazeschleier, das unmerklich Ein- und Ausklinken einzelner
Tänzer aus den Gruppenpassagen, die beständige Kommentierung
und Doppelung der Bewegungswerte durch die flirrend hinzugespielten Videobilder,
die pulsierende, akzentreiche Komposition von Ralf. R. Ollertz all das
fügt sich, wie die Vorlage, zu einem Bild unzugänglicher Innerlichkeit.
Dem Projekt "Nichts" gelingt es, Becketts eigenartige Faszination
mit dem Organischen aufzugreifen und verblüffend gradlinig, dabei
ganz eigenständig zu interpretieren.
Frankfurter Allgemeine
Zeitung, Franz Anton Cramer, 18.10.2001.
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| In ihren Choreographien
kreiert sie eine Poesie der Menschlichkeit.
Immer wieder gelingt es ihr, das Innere
des Menschen an die Oberfläche zu bringen. Sie erzählt
keine Geschichten, sondern tanzt Stimmungen, die zwischen dem Sein
und dem Nicht-Sein oszillieren. ... Tanz, Musik, Video und Licht
(sind) gleichwertige Medien, die einander bedingen, kontrastieren,
kommentieren. Toula Limnaios und Ralf R. Ollertz arbeiten mit cyan
(Video) und dem Lichtdesigner Klaus Dust. Für Ollertz war Becketts
Text Inspiration fŸr die Komposition diverser Klangstimmen eines
eigens für die Produktion gegründeten Männerchors,
die die Einsamkeit in ihrer Gemeinsamkeit umgeben. In ihrem Stammhaus
am Halleschen Ufer werden ab morgen die zahlreichen Facetten der
Limnaios offen gelegt. Hier kann man sich überzeugen, wie ergreifend
man zwischen Anwesenheit und Abwesenheit "nichts" tanzen
kann.
Berliner Morgenpost,
Andrea Philippi, Feuilleton, 09.10.2001.
Die Erlesenheit im
Stil der Truppe und
ihrer Choreographin, die sorgfältige Komposition und der seltsam
gedämpfte Lyrismus, mit dem die Compagnie sich ihr Publikum
erspielt hat, sind in "Nichts" zu besonderer Kostbarkeit
gesteigert.
Tip, Franz Anton Cramer, 11.-24.10.2001.
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| "Nichts"
zeigt, was passiert,
wenn die normalerweise schon im Kampf um einen Probenraum aufgeriebenen
Energien plötzlich in die Arbeit fließen: Fünf Tänzer
bilden ein Ensemble, der Quantensprung an Intensität und Präzision
ist bei ihnen unübersehbar. Toula Limnaios hat für Becketts
zersplitternde innere Universen klare und reduzierte Bilder gefunden,
gewinnt zugleich an Konzentration und Komplexität.
Zitty, Constanze Klemetz, 18.-31.10.2001,
Berlin.
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| Tänzerische Gratwanderung.
Nicht leicht verdaulich, aber aufregend:
"Nichts. Ich werde da sein, indem ich nicht da in." mit
der "cie. toula limnaios" beeindruckt beim Meeting Neuer
Tanz ... Keine Geschichte, die da getanzt wird, keine durchlaufende
Handlung, wohl aber eine von innen heraus gesteuerte Dramaturgie,
inspiriert von Samuel Becketts "Texte um Nichts" das ist
die jüngste Produktion der griechische Choreographin Toula
Limnaios.
Kein leichtes Tanzvergnügen wird
geboten. Denn Toula Limnaios ist eine kühne Verbindung eingegangen
zwischen Imagination und Wirklichkeit, zwischen realem Bild und
Überblendungen, die sich ineinander zu spiegeln scheinen. Künstlerisches
Credo der Compagnie ist das Ausloten von Grenzsituationen, das Schaffen
magischer Räume mittels Tanz, Musik, Video und Licht.
Drei Tänzerinnen und zwei Tänzer
ertasten zunächst gebeugt und unendlich langsam den Bühnenraum.
Geräuschbetonte Musik, aus der Ferne klingend, animiert zum
marschartigen Gleichschritt, zum Furioso nach dem Motto "Alles
rennt, rette, flüchtet" und führt plötzlich
in den totalen Stillstand. Innerhalb des tänzerischen Vokabulars
... ist Stillstand, Zeit, Schweigen überhaupt eine wesentliche
Komponente. Und der harte Kontrast.
Denn das tänzerische Treiben der
multiplen Persönlichkeiten, die einander in zarter, mitunter
auch heftiger Weise begegnen, in ihrer Suche nach der Selbstfindung
aber alleine bleiben, wird durch ... "Einlagen" der Videogruppe
cyan optisch zugespitzt: Bilder der modernen Alltagswelt sind auf
einer kleinen Leinwand ebenso zu sehen wie eher komische Einblendungen
dicker Bäuche und Busen am FKK-Strand, feine anatomische Zeichnungen
oder das Portrait einer alten Frau mit wunderbar ausdrucksstarken
Händen.
Die Musik des Komponisten Ralf R. Ollertz
indes geht mit den getanzten "Bildern" völlig konform.
Akustische Fragmente mit Männerchor und Instrumenten, die,
wenn die Geräuschebene verlassen wird, über weite Strecken
von monoton-meditativen Klangschichtungen getragen sind. Ein hohes
Lob den jungen Tänzerinnen und Tänzern aus Berlin, die
diese fragile, pulsierende Gratwanderung bravourös absolvierten.
Langanhaltender Beifall.
NRZ - Neue Ruhrzeitung, Johannes
K. Glauber, Oberhausen, 10.09.2001.
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| Pralle Körperhaftigkeit.
Bereits das Konzept der Produktion
mit dem Titel: Nichts. Ich werde da sein, indem ich nicht da bin.
erhielt einen der begehrten Förderpreise des bundesweit ausgeschriebenen
Wettbewerbs. Wie ein Haiku wirkt der Titel des Gesamtkunstwerks,
ein japanisches Kurzgedicht mit paradoxer Aussage, über das
der Zen-Meister seine Schüler meditieren lässt, um die
übergegensätzliche Wirklichkeit zu erfahren.
Die griechische Choreographin Limnaios
orientierte sich an Samuel Becketts Texte um Nichts. Ähnlich
wie dem Autor geht es ihr darum, die verschiedenen Schichten der
multiplen Persönlichkeit eines Menschen nicht zu reflektieren
oder kommentieren, sondern in seinen feinsten Facetten auszuleuchten
und wie Bildfolgen mit hohem emotiven Gehalt in freier assoziativer
Aneinanderreihung wirken zu lassen. Im Sinne des magischen Realismus,
einem der Kunst und Literatur entlehnten Begriff, hält sich
dabei das Geheimnis der Aussage hinter der strengen konturenhaft
dargestellten imaginierten Welt zurück.
Bewegung, Musik, Text, Licht, Farbe
bilden gleichwertige Parameter mit eigenständiger Aussage,
die sich durchdringen und bedingen. Die Bühne war mit wei§en
Gaze-Bahnen ausgekleidet, die das Farbenspiel der Lichtregie (Klaus
Dust) projizierte, und Figuren wie Schatten wirken lie§en.
Ralf R. Ollertz komponierte die Musik
für Männerchor und Instrumente, die oft archaisch wirkende
Cluster und melodische, sich wiederholende elektronisch bearbeitete
Patterns intonierten. Die fünf Tänzerinnen und Tänzer
gestalteten ... virtuose Bewegungsabläufe, teils abstrakt,
teils eindeutig entschlüsselbar, wenn es um die verschiedenen
Formen des Aufeinander-Bezogenseins ging.
Bewegung und Musik wurde kontrapunktiert
von Videoeinspielungen der Gruppe cyan, die die sinnentleerte mechanisierte
Arbeitswelt darstellte, die pralle Körperhaftigkeit an einem
FKK-Strand, die Hände einer alternden Frau. Das Werk, dessen
Sprache nicht eindeutig semantisch entschlüsselt werden will,
richtet sich nicht an den bequemen Zuschauer. Die Anwesenden begriffen
die Kunst und ließen sich von der rauhen Schönheit des
Dargebotenen begeistern.
WAZ - Westdeutsche Allgemeine Zeitung,
Radegundis Barrios , 11.09.2001, Oberhausen.
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| Zwischen Traum und Realität.
Meeting Neuer Tanz:
ein beeindruckender Abend auf den Spuren Becketts. ... Thematisiert
wird die Lebens- und Gedankenwelt einer multiplen Persönlichkeit
in allen ihren oft kaum greifbaren Strukturen. Der Zuschauer gerät
in einen unwirklichen, schwer durchsichtigen, meist ... emotional
zu erfassenden Strom unterschiedlicher Stimmungen. Die Bühne,
lediglich mit wei§en Stoffbahnen umrandet, betreten die fünf
Tänzerinnen und Tänzer in Zeitlupen-Bewegungen eine irreale
... Szenerie. Ins sehr reale gerät sie, wenn die Akteure ins
atemlose Rennen wechseln, sich gegenseitig am Fortkommen hindern,
einer den anderem zu überholen versucht. ... Ein Männerchor
legt sich wie ein warmer Klangteppich Ÿber das Geschehen, dazwischen
mischen sich menschliche Laute, Satzfetzen, Kichern, ein Lachen,
ein Schrei. Dieser Sound irrlichtert durch den ganzen Raum, hält
das merkwürdige Geschehen bestechend dicht zusammen, ...
Die ausgezeichneten Tänzer brillieren
in den synchronen Szenen, überzeugen aber auch durch oft poetische
Soli, als kraftvolle Duo oder Trio im stets wechselnden Rhythmus.
Ein Tanzabend von hoher Qualität, der sich nicht leicht erschloss
und für den es viel Beifall gab.
WAZ - Westdeutsche Allgemeine Zeitung,
Elisabeth Höving, Recklinghausen, 15.09.2001.
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| Wenn die Körper zarte Zeichen
malen.
Eine tanzt aus der Reihe. Was als geordnete
Formation von drei Tänzerinnen und zwei Tänzern beginnt
in der Choreographie "Nichts. Ich werde da sein, indem ich
nicht da bin." der Compagnie Toula Limnaios, löst sich
schnell auf. Der geordnete Gleichschritt wird zum hektischen Wettrennen
im Kreis der wei§en Bühne, bei der jeder einmal nach vorne
drängt und die Führung übernimmt. Hinter den Tänzern
jagen Diaprojektionen von Büros und Fabriken aus den 60er und
70er Jahren über die Bühnenwand, brutale Maschinen-Stakkati
dröhnen auf das Publikum der Uraufführung im Rahmen des
Meeting Neuer Tanz im Wuppertaler Schauspielhaus nieder. Gedanken
an den Zerfall einer sozialen Gemeinschaft drängen sich auf,
aber der Blick der Choreographin Toula Limnaios, die in Berlin arbeitet,
geht nach innen. Inspiriert von Samuel Becketts "Texte um Nichts"
beschreibt sie die Facetten einer multiplen Persönlichkeit.
Einprägsame, schöne Bilder gibt es zu sehen: Ein Mann
führt eine traumwandlerische Frau in einem traurig-schönen
Tanz. Eine Tänzerin beugt sich mit dem Rücken zum Zuschauerraum
so nach vorne, dass ihr Kopf verschwunden scheint, an seiner Stelle
taumelt ein blauer Luftballon. ... großartig ... getanzt
WAZ - Westdeutsche Allgemeine Zeitung,
Kornelia Roßkothen, 13.09.2001, Wuppertal.
| Eintauchen in die Traumwelt
der Tänzer
Es scheppert, es klirrt, ein
Männerchor singt in der Ferne. Fünf Tänzer
schreiten nach und nach auf die Bühne. Ein Film wird
nach und nach auf die wei§en Wandtücher im Hintergrund
der Bühne projiziert. Das ist "Nichts. Ich werde
da sein, indem ich nicht da bin.". ... Die Compagnie
gewann mit ihrer neunten Produktion den vom Kultursekretariat
Nordrhein-Westfalen bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb
zum diesjährigen Festival (Meeting Neuer Tanz). Es ist
eines von fünf Förderprojekten, die jungen talentierten
Choreographen ein Forum fŸr ihre Arbeit geben soll. Und Toula
Limnaios ist talentiert. Mit ihr gründeten 1996 der Komponist
Ralf R. Ollertz und der Lichtdesigner Franco Marri die "cie.
toula limnaios". Seit 1999 bringt sich die Gruppe "cyan"
mit ihren visuellen Medien ein. Und genau das macht das Projekt
so besonders. Eindrücke in visueller Form, akustische
Fragmente, Tanzfacetten schlie§en sich für kurze Zeit
auf der Bühne zu einem Ganzen zusammen. Samuel Becketts
"Texte um Nichts" inspirierten die Künstler
bei dieser Inszenierung. Fünf Menschen stellen sich auf
der Bühne zu Schau. Es sind multiple Persönlichkeiten,
die einander begegnen, nebeneinander existieren und dennoch
alle für sich bleiben. Was aussieht wie ein Kampf, stellt
die Findung des eigenen Ichs dar. ... Dabei spiegelt der ein
den Schatten des anderen.
NRZ Neue Ruhrzeitung, stm,
07.09.2001, Oberhausen.
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| Gefühle
in Bewegung spiegeln
Sie will keine Geschichten erzählen.
Toula Limnaios lässt Stimmungen im Tanz spürbar
werden, spiegelt Gefühle in Bewegung. Inspiriert wurde
das Projekt durch Samuel Becketts Texte um Nichts von 1955,
Selbstgespräche eines von der Welt, ja von sich selbst
isolierten Menschen. "Wir gingen, Hand in Hand, stumm,
in unsere Welten versunken, jeder in seine Welten, mit ineinander
vergessenen Händen", gemeinsam einsam hei§t das
wohl, und Komponist Ralf R. Ollertz, ... , hat das wunderbar
aufgegriffen durch den Einsatz eines Männerchores, Symbol
des Vereinsamten in der Masse. Behutsamer, zurückhaltender
vielleicht als Pina Bausch, mit der sie arbeitete, aber keineswegs
weniger intensiv gestaltet Limnaios die Ausweglosigkeit in
einer verwirrenden Durchdringung von Poesie und Unheil ....
WAZ - Westdeutsche Allgemeine
Zeitung, hb, 08.09.2001, Oberhausen.
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| Kühne Poetin.
Die Choreographin
Toula Limnaios erkundet Seelenlandschaften. Ihr neuestes Stück
"Nichts. Ich werde da sein, indem ich nicht da bin."
Nach Texten von Beckett bringt fünf Tänzer auf die
raffiniert beleuchtete Bühne des Theaters am Halleschen
Ufer. Zu flirrenden Videoeinspielungen und knisternder Musik
zeigt "Nichts" einen Reigen der Einsamkeit, des
Trostes und des Wartens, gemessen, klug komponiert, eindrucksvoll
getanzt. Spielzeit. Die Monatsbeilage
für Theater, Musik und Tanz, in: Tagesspiegel/ Ticket,
Franz Anton Cramer, Oktober 2001, Berlin.
| Es nichtet gewaltig
im Theater am Halleschen Ufer, wenn
die Choreografin Toula Limnaios in die Gründe des
Seins hinabsteigt. Nichts sehen und ohne Worte bleiben:
Mit verklebten Augen und Mund kommt eine Tänzerin
und rei§t sich mit beiden Händen den Kopf fast
ab. Ihre langen Beine setzen an zum sicheren Schritt
und knicken dann ein. Etwas schiebt sich von hinten
ins Bild, Arme, Beine, alles dran, nur an der Stelle
des Kopfes zittert ein blauer Ballon.
Anfang und Ende, ..., wo
die Wahrnehmungen des Menschen von sich selbst ihren
Ausgang nehmen. Der Titel des Stücks "Nichts.
Ich werde da sein, indem ich nicht da bin" zitiert
Becketts "Texte um Nichts" von 1955. Da streift
ein Erzähler alles von sich ab, was ihm außerhalb
seiner selbst Halt geben könnte. Mit dem Rauschen
des Windes, der wie der Atem der ganzen Welt klingt,
beginnt und endet das suggestive Sounddesign, das Ralf
R. Ollertz fŸr Limnaios komponiert hat. Der Klang spült
uns in eine von Maschinen beherrschte Gegenwart. Wieder
fühlt man sich blo§ wie ein winziges Partikelchen,
das im Inneren eines Großrechners verloren gegangen
ist. Das Videozuspiel der Gruppe cyan untermalt diesen
Griff nach dem Ganzen. ... Bis wieder eine hinausgeschleudert
wird und mit Klappmesserschärfe zu agieren beginnt.
... Die Poesie der entrückten Stimmungen, von denen
die bisherigen Arbeiten der aus Athen stammenden Choreografin
erfüllt waren, ist wiederzufinden.
taz,
Katrin Bettina Müller, 12.10.2001, Berlin.
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