| Konzeption/
Choreographie Toula Limnaios
Tanz/ Kreation
Mercedes Appugliese, Carlos Osatinsky, Ute Pliestermann, Katja Scholz,
Hironori Sugata
Live-Musik/
Bandoneon/Schlagwerk Ralf R. Ollertz
Lichtdesign
Klaus Dust
Pressearbeit
Silke Wiethe
Nach größeren Gruppen-Choreographien
der letzten fünf Jahre, beschäftigt sich Toula Limnaios in short
stories ganz bewusst mit kurzen, einfachen Formen. In 2 Duetten und einem
Solo, die ebenso getrennt wie miteinander verknüpft sind, öffnet
sie einen Fächer kleiner ganz persönlicher Geschichten: Nicht
alltägliche Begebenheiten, sondern persönliche Befindlichkeiten
stehen im Mittelpunkt des intimen Kammerstückes: In unserer Hülle
sind wir alle gleich, aber was unter unserer Haut steckt ist unterschiedlich.
short stories zeigt verschiedene
Facetten und Spielarten, die jeder Moment in sich birgt. Fast unmerkliche
Übergänge und Transformationen sind seit jeher Thema der Arbeit
von Toula Limnaios sowie das Oszillieren zwischen Perspektiven.
short stories erzählt vom Wechselspiel zwischen Gleichklang und Auseinanderdriften,
Innigkeit und Verlorenheit, in dem 5 Tänzer/innen zwischen Solo und
Duett in ebenso feinsten Abstufungen wie kraftvollem Aufeinanderprallen
der Gefühle einen Fächer von fein ineinander verwobenen Handlungssträngen
eröffnen: In poetischen, teils absurden Bildern werden Beziehungen
zwischen Menschen durchleuchtet, die das Ausloten von Polen wie Ein- und
Zweisamkeit, Verschlingen und Vereinzeln, Schweigen und Dialog, gemeinsam
haben.
Begleitet werden sie von Ralf
R. Ollertz der seine Musik live mit Bandoneon und Schlagwerk spielen wird.
Eine Produktion der cie. toula limnaios mit
freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Wissenschaft,
Forschung und Kultur Berlin.
- HALLE, Berlin 25.-29.mai 2005
- Caracas, Venezuela 18. Juni 2005
- Sao Paulo, Brasil Dança em Pauta,
25.& 26. juni 2005
- Sommertanzwochen Dortmund, 13.juli 2005
- Künstlerhaus Mousonturm 27.+ 28.
April 2006
- 4. Internationales Tanzfestival Athen
10. +11. Juli 2006
- HALLE, Berlin 3.-6. August 2006
- Fabrik Heeder 3.November 2006
- Institut Français Dakar, Senegal
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RBB – Kulturradio
am Morgen, Frühkritik,
Ein Live-Gespräch mit Frank Schmid, 7.45 Uhr, 5 min, 26.05.2005.
Als Poetin des Tanzes und Bewegungsphilosophin wurde Toula Limnaios
bezeichnet. Gestern Abend hatte in der HALLE ... ihre neue Choreographie
Uraufführung: „short stories“ heißt sie und der
Ankündigung nach sollte es um zwischenmenschliche Beziehungen gehen.
...
Ein Abend, der beim Betrachter die unterschiedlichsten Emotionen und Gehdanken
auslöst, auch auslösen soll. Der Bewegungsansatz bei Toula Limnaios
war immer schon formal, nur dass das Formale hier eben niemals nur Selbstzweck
ist, sondern immer gerade in der Abstraktion dann Intimität und Intensität
des Tanzes sucht. Das hier sind wieder sehr, sehr starke Stimmungsbilder
- sehr poetisch, sehr berührend, manchmal auch verstörend. Sicherlich
kann man sagen, es geht hier um Momentaufnahmen von Beziehungen, die zwei
Menschen zueinander haben können oder die ein einzelner Mensch zu
sich selber haben kann. Es geht um Anziehung/Abstoßung, Nähe
und Distanz, Halten und Gehaltenwerden. Der Zugang ist nicht ganz einfach,
aber die Belohung, die man dafür bekommt als Zuschauer, die ist sehr
hoch.
Man kann sich jetzt ... ein Bild machen. Empfehlen sie uns hinzugehen
... ?
Ja, durchaus, wobei man keinen einfachen Tanzabend erwarten darf, weil
Toula Limnaios immer radikaler wird bei der Bewegungsfindung und auch
bei der Bildsprache, die sie sucht. Man ist als Zuschauer wirklich zum
Empfinden, ja zum Empfangen aufgefordert. Aber ganz eindeutig ist jetzt
schon, dass Toula Limnaios einen ganz eigenen Weg geht hier in Berlin,
dass sie keine vergleichbare Compagnie oder Choreographin hat und ganz
allein an der eigenen Körper- und Ausdruckssprache arbeitet und sich
da immer weiterentwickelt, und das allein ist schon wirklich bewundernswürdig.
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Umlaufbahn
um den Tanz
Die Choreografin Toula Limnaios erzählt im Mousonturm fein ziselierte
"Short Stories" Die Frau lässt sich fallen und steht auf,
lässt sich fallen und steht auf, immer wieder, der Mann schaut zu.
Bis sie stehen bleibt und ihre Gesichter sich nähern. Wäre dies
ein Film, würden sie sich jetzt küssen, aber es ist ein Tanzstück
von Toula Limnaios, und da passieren andere Dinge als die erwartbaren.
Die beiden bewegen ihre Köpfe aneinander vorbei, ein paar Zentimeter
Abstand sind immer zwischen ihnen, als wollten sie sich beschnuppern.
Dann tanzen sie doch noch zusammen, aber eine einfache Beziehung ist das
nicht.
Short Stories, Kurzgeschichten, hat die in Berlin lebende (und in ihrer
eigenen Spielstätte "Halle" arbeitende) griechische Choreografin
Toula Limnaios das rund einstündige Stück für fünf
Tänzer genannt, das von Ein- und Zweisamkeit erzählt. Und das
sie jetzt in den Mousonturm brachte, der sich entschieden wieder als Frankfurter
Ort für viele Formen des Tanzes positioniert.
Für einen Tanz in diesem Fall, der mit Stimmungen arbeitet, der keine
Geschichten aufdrängt, sie nur dezent anbietet. Und der dabei auf
erstaunliche Weise von der Musik Ralf R. Ollertz' unterstützt wird,
die der Komponist, auf der Bühne sitzend, mit Bandoneon und diversem
Schlagwerk spielt. Oder auch nur ins Mikro pustet, atmet. Limnaios und
Ollertz haben die "cie toula limnaios" 1996 gemeinsam gegründet,
offenbar haben sich da verwandte Seelen gefunden: Selten bezieht sich
Musik so klug und verständnisvoll auf Tanz, schafft ihm einen so
aufgeladenen Raum, in dem er trotzdem frei atmen kann.
So entstehen Short Stories aus eigentlich recht abstrakten, aber dennoch
gefühlsgetränkten Bewegungen, Kurzgeschichten, die Varianten
des Mann-Frau-Miteinanders abbilden. Das Kräfteverhältnis verschiebt
sich ständig zwischen diesen Menschen, der hoch komplexe Tanz verbietet
einfache Antworten. Toula Limnaios benützt einen ganz feinen choreografischen
Stift, sie geht ins Detail, sie sucht nach der Bewegung, die noch nicht
abgenutzt ist. Zusammen übrigens mit ihren Tänzern, die sie
als Co-Autoren nennt: Carlos Osatinsky, Ute Pliestermann, Katja Scholz,
Nefeli Skarmea, Hironori Sugata.
Die Choreografin Toula Limnaios hält sich angenehm fern von Moden.
Und wenn sie, wie in den Short Stories, die nicht gerade frische Idee
von niedrig hängenden, schwingenden Lampen als Lichtquelle nützt
(Licht: Klaus Dust), so mit Präzision und Schärfe. Einmal umkreist
eine der Lampen ein Paar, die Frau hat sie mit einem Stoß auf diese
- für die Tänzer gar nicht ungefährliche - Umlaufbahn geschickt.
Und so wie Licht und Schatten über die beiden Körper huschen,
so geschwind verwandeln sich auch ihre Bewegungen.
VON SYLVIA STAUDE Frankfurter
Rundschau, 29.04.2006
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Mann
und Frau liefern sich heißen Tanz
"Short stories" - Kurzgeschichten sind eine bestimmte Form von
Kurzprosa, für die vor allem kompositorische Verdichtung typisch
ist, Typisierung der Personen und die Reduktion auf einen Wirklichkeitsausschnitt
als Schilderung eines Moments inmitten alltäglicher Begebenheiten,
denen aber über sie hinaus gehende Verweisfunktionen zukommen.
Auf die Bühne eines Tanztheaters gebracht, sind diese Merkmale fast
ebenso deutlich wie in der Literatur zu erkennen:
Fünf Tänzerinnen und Tänzer beleuchteten in prägnanten,
kurzen Szenen die verschiedenen Spielarten zwischenmenschlicher Beziehungen.
Es sind Beziehungen, wie sie jeder kennt und jeder hat. Deshalb treten
die Darsteller auch nicht von der Seite oder von hinten auf, sondern sitzen
im Publikum zwischen den Zuschauern. Menschen wie du und ich eben.
Am Beginn der Beziehung steht die Nase: Neugierig beschnüffeln sich
Mann und Frau zunächst, bevor sie finden, dass sie zueinander passen
und eine Beziehung wagen. Aber auch andere Spielarten sind denkbar: gewaltvolle
Varianten, bei denen Gefühle und auch verschiedene Interessen frontal
aufeinander prallen. Oder Beziehungen, in denen sanfte Gewalt ausgeübt
wird. Hier in Form einer Lampe, durch die das Gegenüber offenbar
hypnotisiert wird. Oder besitzergreifende Varianten, in denen der eine
den anderen nicht mehr loslassen will und ihm dabei fast die Luft zum
Atmen nimmt.
Ralf R. Ollertz liefert zu diesen Kurzgeschichten eine spannende Live-Musik,
die das Geschehen filmmusikähnlich untermalt: "Wabernde"
Bandoneonklänge thematisieren die zu Beginn noch instabile Beziehung,
harte Schläge auf das Becken, begleitet von Schreien, die durch eine
akustische Schleife ins fast Unendliche fortgesetzt werden, unterstreichen
die Gewalttätigkeiten.
Wieder ein äußerst spannender Abend.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung 15.07.2005 Von Martina Lode-Gerke
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