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Unbeweglich Reisende in einer scheinbar
grenzenlosen Welt sind Thema des neuen Stückes „spuren“,
das die Phänomene ’Wandern und Heimat’ umkreist. Biographische
Brüche, zunehmend geforderte Flexibilität und Mobilität,
Zuwanderung und Migration, Globalisierung und Virtualisierung rücken
sie in immer neue Blickwinkel. Mehr und mehr in Bewegung, geraten Grenzen
und Standpunkte in Fluss – Heimat differiert zwischen Verortung
und Reisen – Fixierung und Evolution. So kann die äußere
Emigration zur inneren Immigration – zur Ankunft meiner Abreise
werden.
Erinnerung, eigene Wurzeln, Kindheitserlebnisse, kulturelle Bindungen,
Familien-geschichten, Traditionen eines Landes ... stehen dem Auffächern
neuer Horizonte und Wege gegenüber – Gewinn und Verlust liegen
nahe beieinander: Abreise und Ankunft, Heimat und Fremdheit, Dazugehörigkeit
und Ablehnung, Integration und Isolation, Perspektiven und Entwurzelung,
Sicherheit und Unsicherheit, Fernweh und Heimweh, Heimat und Heimat-losigkeit.
5 Interpreten folgen hinterlassenen und vorgefundenen, markierten und
verwischten Spuren – Fixpunkte fächern sich auf, driften auseinander
oder verbinden sich zu einem Gedanken-portrait über ’Heimat
und Wandern’:
„Ich kann auf einem Stuhl sitzen, aber die ganze Welt ist in mir.“
(Toula Limnaios)
„Ein kleiner, unscheinbarer Schubs – schon beginnen sie sich
zu drehen,
die unberechenbaren Assoziationen.
Ein halber Satz irgendwo in der Fremde aufgeschnappt, ...,
ein paar vertraute Worte mit der seltsam singenden Satzmelodie. ...
Heimat sind Gerüche, Geräusche, sind Farben und Formen,
ist Sprache und – wohl zum größten Teil – Erinnerung.
Heimat, das sind Rituale, Landschaften, der Humor.
(J. Kronsbein, Spiegel-Spezial „Sehnsucht Heimat“, 1996)
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Heimat ist kein Ort. Zum neuen Stück
der Berliner Choreographin Toula Limnaios
Daß auch in der Großstadt die Natur manchmal ganz nah sein
kann, zeigt sich am schönsten in der HALLE, dem Proben- und neuerdings
Spielort der Choreographin Toula Limnaios. Zwar mitten in der Stadt, liegt
die HALLE doch ein wenig abseits und sehr idyllisch unter alten Kastanienbäumen,
die ihre ruhige, erdige Atmosphäre durch die großen Fenster
und die geöffnete Tür bis in den Innenraum verströmen.
Die Wärme des Sommers, die sich stetig verdunkelnde Abendstimmung,
das Grün der Bäume, das langsam im Schwarz der Nacht verschwindet
– das alles ist Teil des Auftakts zu spuren. In der geöffneten
Tür wartet ein Zwitterwesen, eine Walfrau im Mondlicht, fast nackt
und mit Zweigen festgehalten, auf dem Kopf ein paar Hörner aus Spinnengewebe.
Ein zauberhaftes, poetisches Bild, wie sie in den Innenraum einbricht,
die Zweige abschüttelt, sich von der Natur befreit und dann –
Mensch geworden – auf der leeren Fläche tastend und vorsichtig
ihre neue Sicherheit sucht. Ein intensiver Beginn ...
tanz journal, Elisabeth Nehring, Oktober 2004.
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| Ein kleines Wunder in
der Halle
Wunderbar, was aus dieser Krise gewachsen ist: Der Start des Theaterkombinats
HAU hatte Toula Limnaios heimatlos zurückgelassen ... Jetzt finden
Proben und Auftritte im eigenen Quartier, einer alten Halle aus Backstein
statt, schlicht HALLE, Eberswalder Str. 10, getauft. Die Gruppe hat sich
eine Basisförderung der Stadt erspielt, die Chefin eine Professur
an der Palucca-Hochschule erhalten.
Tagesspiegel, Feuilleton, Ulrich Amling, 31.07.2004.
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| "spuren" ist
ein Gedankenportrait über Wandern und Heimat, Fernweh und Heimweh.
Scheinbares Chaos verwandelt sich sekundenschnell in getanzte Harmonie.
Ohne Frage eine der besten Berliner Ballettkompanien.
RBB: Stilbruch, Stephan Düfel, 22.15 - 22.20 Uhr, 5.8.2004. |