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Foto cyan

vertige / ysteres 2000

vertige

konzeption / choreographie Toula Limnaios

musik Ralf R. Ollertz

tanz Toula Limnaios

video cyan

Lichtdesign Michel Delvigne/Klaus Dust

Presse Silke Wiethe

Kostüme Toula Limnaios

 

"vertige" - "Schwindel. Die Empfindung, als ob sich alle und umgebenden Gegenstände in Bewegung befänden. Hervorgerufen wird diese Empfindung entweder durch allzuraschen Wechsel der Sinneseindrücke, oder durch krankhafte innere Vorgänge. Rasch vorübergehender Sinnesschwindel erheischt gar keine Behandlung, ebensowenig der durch physische Affectionen hervorgerufene Schwindel. Der durch Blutandrang veranlaßte verlangt Hochlegen des Kopfes, kalte Umschläge auf denselben, Brausepulver oder Sodawasser."

(aus: Das goldene Buch für praktische Hausfrauen, Töchter, Verlobte, Berlin 1900)

 

ysteres 2000

konzeption / choreographie Toula Limnaios

musik Ralf R. Ollertz

tanz Monica Muñoz Marin, Evelin Stadler

Lichtdesign Klaus Dust

Presse Silke Wiethe

Kostüme Toula Limnaios

 

"Abwarten höhlt die Zeitlichkeit aus, das nicht länger ein 'als ob', sondern ein 'als ob ... als ob' genannt werden mu§, ein Zaudern. Ausgehöhlte Wiederholung, stumme Erwartung, jene, manchmal, einer heulenden oder zugeflüsterten oder mit Ironie aufgerollten Überstürzung eines Wirbels der Ausge-lassenheit und des Schreckens. Die Unentschiedenheit schlägt in einem günstigen Augenblick in einen Haß gegen das Bild um. Es ist der Haß gegen alles, was wie die Wirklichkeit in den Bildern, Posen, Haltungen und Delirien steckt, widersteht und zurückkommt."

(Georges Didi-Huberman, Erfindung der Hysterie von Jean-Martin Charcot)

Produktion: cie.toula limnaios in Koproduktion mit dem Theater am Halleschen Ufer

 

Presseberichte

 

Raffinierte Posen im Licht-Kostüm

Toula Limnaios begeistert bei den 5. Internationalen Tanzwochen. Zu sehen bekamen die begeisterten Zuschauer im voll besetzten Pumpenhaus ein faszinierendes Gesamtkunstwerk aus konzentrierten, sich in Tempo und Raumnutzung steigernden Bewegungsmustern zu Videokompositionen, aus geometrischer Kunst und vielfältigsten "Augenblicken" in Nahaufnahmen, Familienfotos, Landschaften, witzige Kitschfiguren und Modefigurinen. Dies alles wurde im Zeitraffertempo projeziert und mit einer Musik ausgestattet, die aus romantischen Streicherklängen und Vogelzwitschern, motorischer Fabrikmaschinerie und Herzklopfen, Rascheln und Rauschen sowie Frauen-und Männerstimmen bestand, die mit satanischer Gespenstigkeit sinnlose Anweisungen und bedrohende Dialoge rezitierten.

Zum Albtraum aus Erinnerungen wird Limnaios "Reise ins Innere der Gedanken-und Gefühlswelt" in dem Solo. Keine Spur von Hysterie zeigen die beiden jungen Tänzerinnen im Duett Ð abgesehen von schauerlichen Grimassen, mit denen Monica M. Marin ihr Gesicht entstellt. Ansonsten: ein Trip in die Welt zeitgenössischen Tanztheaters zum Auftakt der Tanzwochen. Gekonnt ist das Crescendo vom minimalistischen Augenrollen Ÿber die Armbewegung im Zeitlupentempo bis zum wütendausladenden Kopfschwung, bei dem die Haarmähne Gesicht und Nacken peitscht. Malerisch wirken die diagonalen Arm-"Schwingen", raffiniert die Liegepose im Profil mit gestrecktem Schwebenden Bein Ð technisch fast so vertrackt wie die "Arabeske" im klassischen Ballett. Aber Limnaios braucht keine frappierend weiten Sprünge oder rasanten Piouetten, um zu beeindrucken. Sie beruft sich auf die Klassik vor allem als Rückgrat fŸr ihre Kompositionen.

Die Videoleinwand wird sowohl im Solo als auch im Duett zur Schnittstelle und zum "Partner" mit besonders raffinierten optischen Effekten, wenn die bewegten Muster zum Licht-Kostüm werden oder der Bildschirm die Silhouette der Tänzerinnen wie ein Scherenschnitt einfängt. Zum Auftakt der Tanzwochen stellte Limnaios sich als beeindruckende Tänzerin und fantasievolle Choreographin vor - als eine Meisterin der Raum-Komposition.

Westfälische Zeitung 25.7.2002 Marieluise Jeitschko

 

die verwirrte kellnerin.

"der abend lebt von drei darstellungsebenen: der präsenz der tänzerin, den akustischen reizen und der im zentrum thronenden videoleinwand. ... nachdem die gesellschaftliche maske (der kellnerin) gefallen ist, werden die menschlichen abgründe sichtbar. unterdrückte gefühle brechen hervor, der charakter der frau erhält konturen, ihre persönlichkeit ein gesicht. die griechin limnaios, die an der essener folkwangschule studierte und gast war bei pina bausch, vertraut dabei auf einen strengen kanon wiederkehrender bewegungen.

sie krümmt und windet sich wie unter seelischen schmerzen, erbebt und zittert, rudert aufgrissenen mundes mit den armen, schlägt nach einem imaginären feind und erstarrt schlie§lich zu ihrem eigenen ebenbild aus wachs, bewacht vom auf der leinwand ruhenden übermächtigen video-auge. toula limniaos sucht in ihrem introvertierten solo krampfhaft nach halt und orientierung. wie ein autistisches kind klammert sie sich an zwanghafte muster und hämmert mit der faust auf ihre handteller. die berliner choreographin zeigt gemä§ dem stücktitel "vertige" (französisch: schwindel, taumel) seelische zustände der verwirrung, die dem wahnsinn nahe kommen. wie im filmklassiker "vertigo" von hitchcock droht dem betrachter dabei der boden unter den füßen zu entgleiten.

die videokünstlergruppe cyan bombardiert das publikum mit einem dauerfeuer an rasenden bildern. ... "vertige" entfacht einen taumel, der den zuschauer begierig die tanz- und videobilder in sich aufsaugen lässt. Man zappt hin und her, zwischen dem lebendigen frauenkörper und der leinwand. ... man sehnt sich nach der rewind-taste des videorekorders, dass man einfach zurückspulen und sich das ganze später nochmals anschauen kann."

tilmann billing 12. februar 2000, frankfurt.

 

 

"Bodenlos geschwindelt ... "

"doch mit der Zeit und mit den insistierenden Klängen von Ralf R. Ollertz hält es sie nicht länger am Platz. Vom lästigen Schuhwerk befreit, verlangt es den Körper nach Raum, und schrittweise, wie unter schmerzhaftem Zwang, stö§t sie ins Zentrum des Stückes vor: Ein seltsam verkrümmtes, verbohrtes Solo von ganz eigener Art, auch wenn es zwischendurch an die Butoh-Arbeiten von Altmeister Kazuo Ohno erinnert. wie schon der Titel sagt, handelt "vertige" vom Schwindel, und je länger man toula limnaios zuschaut, desto mehr beginnen die Eindrücke zu taumeln."

Hartmut Regitz 11. Februar 2000, Berlin

 

"getanztes solo:"

"toula limnaios im taumel quälender bilder. Dann bemächtigt sich ihrer jener titel gebende taumel, der ihre bedrohungen und bedrängnisse explosiv ausspeit, indem er ihnen expressiv form gibt. quälende erinnerungen scheinen auf, ... . auf der leinwand laufen in rasantem schnellgang bilder vorüber. ... all das bringt die seele der gestalt ins schlingern, versetzt ihren körper in aufruhr. ... beckett-text und ollertz-musik, video, licht und tanz haben sich bis dahin zu einer gesamtkomposition verschlungen, die sich nicht leicht erschlie§t, im betrachter dafŸr um so intensiver nachwirkt."

Volkmar Draeger 12. Februar 2000, Berlin.

 

"den stöckel im nacken. "

"für ihre aktuelle neuproduktion "ysteres", die jetzt im theater am halleschen ufer premiere hatte, wählte man sich als thematischen mittelpunkt ein schlüsselthema der moderne: die hysterie. orientiert an der berühmten, bis etwa 1880 vom psychiater jean-martin charcot in paris zusammengetragenen fotodokumentation des hysterischen krankheitsbildes, sucht die cie. toula limnaios nach szenischen umsetzungsformen fŸr die fast clowneske verlorenheit, aber auch die kinetische und affektive wucht der vielleicht rätselhaftesten psychopathologischen erscheinungen des 19. Jahrhunderts. rasant geschnittene videoeinspielungen zeigen zunächst farbenfrohe bild-schirmschoner-bällchen, dann plastikmasken und -fratzen sowie ballerina-barbies und ähnlich billige bildsäulensurrogate. gegen diese künstlichkeit der plastikwelt und des erstarrten setzen die beiden tänzerinnen ihr arsenal zwanghafter, entfremdeter und "wahn-sinniger" bewegungen. sie sind rasendgetrieben oder beschaulich-sinnierend, versunken oder gehetzt. meist nehmen sie sich gegenseitig dabei gar nicht wahr. die kraft von "ysteres" besteht in der hybriden überlagerung von videobild, klang , tanz und ikonographie."

franz anton cramer 17. Juni 2000, frankfurt am main.

 

"Die Compagnie Toula Limnaios gibt eine moderne Antwort auf die Frage: "

"Sein oder Nicht sein? Mit Tanz, Musik, Film und Licht überschreitet sie die Grenzen zwischen Imagination und Wirklichkeit ... Seit mehr als einem Jahr arbeitet die Choreographin (Toula Limnaios) mit cyan (visuelle Medien) zusammen und es hat sich erwiesen, da§ zwei sehr weit voneinanderliegende Systeme durchaus miteinander kompatibel sein können. Limnaios ätherische Erkundungen und die harte Technik von cyan sind eine merkwürdige Symbiose miteinander eingegangen, in denen sich die Spiele zwischen Imagination und Wirklichkeit, zwischen realem Bild und optischer Täuschung ineinander zu spiegeln und zu verdoppeln scheinen.

Wer gesehen hat, wie Toula Limnaios in "vertige" gegen die Videobilder cyans ankämpft, von ihnen regelrecht verschluckt wird und ihnen immer wieder ihre eigene körperliche Wirklichkeit abgewinnt, darf sich"Falten der Nacht" auch ohne technischen Schnickschnack vorstellen. Denn seit Limnaios, die früher unter anderem bei Pina Bausch tanzte, sich auf die Videokunst eingelassen hat, wird auf der Metaeben eben dieser Kampf geführt. ... Limnaios Stücke sind alles andere als bequem, von der in alle Künste gleicherma§en eingebrochenen Lust nach bekömmlicher Unterhaltung und Konsum-Bejahung, scheint die Choreographin nicht einmal etwas mitbekommen zu haben. Die Entrückung, von der Limnaios Choreografien geprägt sind, verdankt sich nicht nur einer Kunstanstrengung, es eignet ihnen auch etwas Authentisches an. Eben das macht einen Teil des Reizes der Arbeiten aus ..."

Michaela Schlagenwerth, Berliner Zeitung, Kulturkalender, 12.10.2000, Berlin.

 

"Bewegte Emotionen:"

"Extreme Gemütszustände und das Sichtbarmachen der flirrenden, bewegten Emotionen am und durch den bewegten Körper im Tanz ist die Spezialität von Toula Limnaios. Die Tänzerin und Choreographin hat in den letzten Jahren in Berlin mehrere Produktionen vorgestellt. Allesamt zeugen sie von einer feinsinnigen, charakteristischen Handschrift, zuletzt ihr Solo "vertige": Traum und Realität vermischen sich und unterlaufen einander. Im Herbst stellt die cie. toula limnaios ihr erstes Stück (Falten der Nacht) unter Senatsförderung vor, die sie seit diesem Jahr verdientermaßen bekommt."

Constanze Klementz, 28. Juni 2000, Berlin.

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